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TRUMP

Ein Kind im Weissen Haus?

17. Mai 2017
Als Ghostwriter hat er Donald Trump ein Jahr für Recherchen an dessen Klassiker «The Art of the Deal» begleitet. Nun stellt Tony Schwatz den Präsidenten als unbelehrbares und verantwortungsloses Kind dar.
US-Präsident Donald Trump.

Tony Schwartz hat im letzten Sommer Schlagzeilen über seine Enthüllungen zu Donald Trump gemacht: Gegenüber dem «New Yorker» offenbarte er seine Reue darüber, dass er den Mythos von Trump als charmanten und genialen Unternehmer geschaffen hat (http://www.newyorker.com/magazine/2016/07/25/donald-trumps-ghostwriter-tells-all): Nichts davon sei wahr und Trump habe zudem keine Zeile des Buches selbst geschrieben. Am gestrigen Mittwoch legte Schwartz nach und zeichnete in der «Washington Post» ein vernichtendes Profil von Trump als dünnhäutige und verantwortungslose Person, die psychisch nie über das Kindesalter hinausgewachsen sei (https://www.washingtonpost.com/posteverything/wp/2017/05/16/i-wrote-the-art-of-the-deal-with-trump-his-self-sabotage-is-rooted-in-his-past/). Heute ein Umweltberater für die Industrie, war Schwartz in den 1980er Jahren ein gefragter Journalist unter anderem bei der «New York Times» und «Esquire». Als solchen heuerte ihn Trump 1985 als Ghostwriter für seinen Bestseller «The Art of the Deal» an. Schwartz verbrachte ein Jahr mit Trump und erlebte den Unternehmer bei Meetings und privat. Von daher hätten ihn die Ereignisse der letzten vier Monate nicht überrascht. Dass Trump den FBI-Chef James Comey entlassen und dann seinen Mitarbeitern mit widersprüchlichen dazu in den Rücken gefallen sei, entspreche ebenso eingeschliffenen Verhaltensmustern Trumps wie das Ausplaudern streng geheimer Informationen aus Israel über den Islamischen Staat an den russischen Aussenminister Sergey Lavrov. Schwartz erklärt dieses Verhalten durch tiefe Unsicherheiten. Trump fühle sich ständig bedroht und reagiere darauf impulsiv und defensiv. Er fabriziere zudem Rechtfertigungen, die nichts mit realen Fakten zu tun hätten und Verantwortung auf Andere abschöben. Als Ursache dafür habe Trump selbst seinen «unablässig fordernden, schwierigen und getriebenen Vater Fred» angegeben. Trump machte diesen auch für den Tod seines älteren Bruders Fred Jr. verantwortlich, der 42-jährig als Alkoholiker gestorben sei. Der ständige Druck, sich des dominierenden Vaters erwehren zu müssen, hat die Weltsicht Trumps geprägt, so Schwartz. Dabei gäbe es nur das Nullsummen-Spiel einer Wahl zwischen dominieren oder Unterwerfung: «Entweder schaffst du Furcht und nützt diese aus, oder du erliegst ihr». Trump selbst sagte einem Biographen, er habe sich seit seinem ersten Schuljahr im Kern nicht geändert. Schwartz kann dies nur bestätigen: «Seine Entwicklung endete in der frühen Kindheit». Deshalb sei Trump darauf versessen, stets zu gewinnen. Er prahlte Schwartz gegenüber mit seiner Aggressivität als Kind. Seine zahlreichen Misserfolge angefangen bei sechs Konkursen im Casino-Geschäft erklärt er sich selbst und Anderen dagegen als Erfolge. Trump habe ihm gegenüber zudem Verachtung für menschliche Tugenden wie Mitgefühl, Grosszügigkeit und Nachdenklichkeit ausgedrückt. Vor allem fehle ihm aber ein Gewissen, ein inneres Verständnis für richtig und falsch. Seine ganze Existenz sei «rein `transactional´» – Trump sei nur auf den eigenen Vorteil – und den Schutz seiner Unsicherheiten – aus und lasse dabei niemals Fakten dazwischen kommen. Werde er mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert, schlage er mit Attacken und verdoppelten Lügen zurück. Erweisen sich Fakten und Gegner als störrisch, reagiere Trump dagegen mit Flucht und Ablenkungsmanövern. Schwartz erkennt darin «neurochemische» Muster: «Unter Druck geht Trump entweder zu Attacke oder Flucht über. Seine Amygdala wird aktiviert, das Hirn schüttet Adrenalin aus un der präfrontale cortex als Steuerzentrale für Rationalität und Nachdenken, macht dicht. Er reagiert einfach nur und kümmert sich nicht um die Konsequenzen. … Der Trump, den ich kenne, hat weder tiefere, ideologische Überzeugungen, noch starke Gefühle über Irgendetwas ausser seiner unmittelbaren Eigeninteressen». Seine damaligen Mitarbeiter hätten gelernt, Trump nie zu widersprechen. Nun mache sich auch im Weissen Haus «das selbe Klima von Furcht und Paranoia breit», so Schwartz. Diese Charakterbild hat Trump durch seine Rede vor Kadetten der Küstenwache in New London am gestrigen Mittwoch bestätigt.

 





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