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ZÜRICH

Eine Anklage nach langer Untersuchungszeit

9. Oktober 2017
Am ersten Julisamstag 2015 attackierten rund zwanzig Männer zwei Juden, die nach dem Besuch einer Synagoge in Zürich-Wiedikon auf dem Heimweg waren. In den kommenden Tagen will die Staatsanwaltschaft die Untersuchung abschliessen.

Die Angreifer, teilweise angetrunken, feierten einen Polterabend. Sie trugen T-Shirts einer rechtsextremen Bewegung und stellten sich den beiden Heimkehrern in den Weg. Sie beschimpften sie, grölten antisemitische Parolen und zeigten den Hitlergruss. Die Täter konnten gleichentags eruiert werden. Einer der beiden Angegriffen erstattete Strafanzeige.

Rund 27 Monate nach der Tat will nun die zuständige Zürcher Staatsanwältin die Untersuchung in den kommenden Tagen abschliessen und den 29jährigen Haupttäter Kevin G. vor Gericht bringen. Angeklagt der Rassendiskriminierung, der Beschimpfung und der Tätlichkeit. Dies berichtete gestern die «NZZ am Sonntag», die sich auf zwei Anwälte von Beschuldigten stützte.

Der Zürcher Oberländer Kevin G. ist zwar nicht geständig, aber das Opfer hat ihn bei einer Gegenüberstellung erkannt. Ein zweiter Beschuldigter räumte ein, den angegriffenen Juden beschimpft zu haben. Sein Vergehen soll mit einem Strafbefehl geahndet werden. Keine Tatbeteiligung konnte die Untersuchungsbehörde drei weiteren Teilnehmern nachweisen. Die Staatsanwältin will diese Verfahren einstellen.

Für Kevin G., Sänger der Naziskin-Band «Amok» steht eine längere Freiheitsstrafe auf dem Spiel. Die Band ist seit 2005 aktiv und tritt die häufig bei Konzerten des «Blood and Honour»-Netzwerkes auf. Sänger Kevin G. ist mehrfach vorbestraft, so wegen Drohung, Rassendiskriminierung und Körperverletzung. Bei mehreren bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafen war die Bewährungszeit beim Tatzeitpunkt noch nicht abgelaufen, so dass Kevin G. nun eine längere Haftzeit planen kann.

Den letzten Schweizer Auftritt hatte die Band «Amok» im Oktober vergangenen Jahres beim grossen Naziskin-Konzert im toggenburgischen Unterwasser. Kevin G. dementierte Tage später gegenüber dem Tagesanzeiger, weiterhin Mitglied der Band zu sein. Als die Band im Mai dieses Jahres im deutschen Bundesland Thüringen auftrat, stand er jedoch wie selbstverständlich auf der Bühne. [HS]





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