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NEW YORK TIMES

«Führungsperson und Parlamentarier»

19. April 2017
Die Weltzeitung «übersieht» Marwan Barghoutis terroristische Seite.
Marwan Barghouti [Keystone]

Nicht lange auf sich warten liess am Dienstag Israels Reaktion von höchster Warte auf die Praxis der «New York Times», den Palästinenser Marwan Barghouti nicht nur einen Kommentar in ihren Spalten publizieren zu lassen, sondern den Mann dabei noch nur als «palästinensischen Führer und Parlamentarier» hinzustellen und nicht als einen wegen mehrfachen Mordes verurteilten Verbrecher. Diese Definition lasse sich vergleichen mit der Definition des syrischen Präsidenten Bashar Assad als Kinderarzt, schrieb Premier Binyamin Netanyahu in einer Pressemeldung. Er fügte hinzu: «Das sind Mörder, das sind Terroristen, und wir werden die Klarsicht nicht verlieren.» Israelische Persönlichkeiten des ganzen politischen Spektrums verurteilten die NYT in aller Schärfe für die Veröffentlichung eines Editorials aus der Feder Barghoutis, ohne zu erwähnen, dass der Mann wegen seiner Morde und nicht wegen seiner politischen Ansichten im israelischen Gefängnis sitze. Im Juni 2004 wurde Barghouti wegen fünf Morden und einem Mordversuch verurteilt, darunter dem Mord an einem griechisch-orthodoxen Priester, den er fälschlicherweise für einen Rabbiner hielt. Er wurde zu fünf lebenslangen Haftstrafen und 40 zusätzlichen Jahren hinter Gittern verurteilt. Die NYT sprach in ihrer Printausgabe aber von einem «palästinensischen Führer und Parlamentarier». Erst auf ihrer Website fügte das renommierte Blatt hinzu, dass Barghouti ein verurteilter Mörder sei.

Für Vize-Aussenministerin Tzippi Hotovely ist der Beschluss der NYT, «einen Artikel von einem Terroristen zu publizieren, ohne zu erwähnen, dass er Juden tötete, nur weil sie Juden waren» keine Ausdrucksfreiheit, sondern Anarchie. Wenn ein Blatt, das sich als wichtig erachtet, Mördern eine Plattform gewährt, verleihe es dem Terror «Legitimität und einen Preis». Bildungsminister Naftali Bennet weist darauf hin, dass Marwan Barghouti als Kommandant der paramilitärischen Tanzim-Organisation der Fatah hinter den Morden an dutzenden von Israeli stehe. «Barghouti ist nicht einfach ein Feind, sondern ein niedriger Mörder, der bis zu seinem Todestag im Gefängnis dahinsiechen sollte.» Gegenüber der «Times of Israel» erklärte Yair Lapid von der Zukunftspartei, der Versuch der NYT, ausgewogen zu sein, amüsiere Barghouti, der verstehe, dass dieser «geheiligte Versuch des Gleichgewichts» die unterschiedlichsten Menschen auf ein gleiches Niveau stelle: «Mörder und Ermordete, Terroristen und Opfer, Lüge und Wahrheit.» JU


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