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US-KINO

Weitere Missbrauchs-Enthüllungen zu Harvey Weinstein

10. Oktober 2017
Nach einem sensationellen Artikel in der «New York Times» vom letzten Donnerstag reissen Vergewaltigungs-Vorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein nicht ab.
Gwyneth Paltrow beschuldigte Harvey Weinstein der sexuellen Belästigung.

Die Affäre um Missbrauchs-Vorwürfe gegen Harvey Weinstein hat gestern Dienstag weitere Kreise gezogen. Am vergangenen Donnerstag hatte die «New York Times» enthüllt, dass der prominente Film-Produzent und Chef des Studios Miramax über Jahrzehnte routinemässig Frauen zu sexuellen Handlungen gezwungen und bedroht hat (https://www.nytimes.com/2017/10/05/us/harvey-weinstein-harassment-allegations.html). Dabei handelte es sich meist um junge Schauspielerinnen am Beginn ihrer Karriere. Zu Weinsteins Opfern zählen aber auch Studentinnen mit Bühnen-Ambitionen und Angestellte seiner Firmen.  Am Dienstag ging der «New Yorker» mit einer über viele Monate recherchierten Geschichte online, in der weitere Schauspielerinnen wieAsia Argento, Mia Sorvino und Rosanna Arquette detailliert über ihre Belästigung durch Weinstein aussagen. Andere Frauen beschreiben Vergewaltigungen durch den mächtigen Produzenten und eine langjährige Traumatisierung als Folge (https://www.newyorker.com/news/news-desk/from-aggressive-overtures-to-sexual-assault-harvey-weinsteins-accusers-tell-their-stories). Autor des ausführlichen Artikels ist Ronan Farrow, ein Sohn von Woody Allen und Mia Farrow, der auf das Missbrauchs-Thema spezialisiert ist und als Insider das Vertrauen von Schauspielerinnen finden konnte. Der erste Bericht der «Times» hat eine Welle weiterer Bekenntnisse von betroffenen Frauen ausgelöst. Kurz nach der «New Yorker»-Story zog die «Times» mit Aussagen von Angelica Jolie und Gwyneth Paltrow nach. Auch sie erklären, Weinstein habe versucht, sie zu Sex zu zwingen (https://www.nytimes.com/2017/10/10/us/gwyneth-paltrow-angelina-jolie-harvey-weinstein.html). Sämtliche Vorwürfe folgen einem Muster: Weinstein wurde auf eine junge Frau aufmerksam, liess sie durch Angestellte zu «professionellen Karriere-Meetings» laden und verlegte diese dann in Hotelzimmer oder leere Büroräume. Dort entkleidete er sich und forderte die Frauen zu Massagen oder sofort zu Sex auf. Mitunter hat Weinstein seine Opfer wochenlang telefonisch belästigt und auf weitere Treffen gedrängt. Der Vorstand von Miramax hat den 65-Jährigen daraufhin am Sonntag entlassen. Weinstein hatte sich zuvor ohne in Details zu gehen für sein Verhalten entschuldigt. Prominente Schauspielerinnen wir Meryl Streep nahmen die Enthüllungen zum Anlass, den Missbrauch von Frauen in der Filmindustrie anzuprangern und verurteilten Weinstein. Dem «New Yorker» gegenüber hat eine Sprecherin Weinsteins die Vorwürfe jedoch rundweg abgewiesen: Die fraglichen, sexuellen Akte seien nach Auffassung Weinsteins ohne Zwang erfolgt und er habe Frauen niemals für die Abweisung seiner Avancen bedroht. Die Affäre hat umgehend eine politische Dimension erhalten. Die Enthüllungen der «Times» kamen exakt ein Jahr nach einem TV-Video, auf dem Donald Trump mit dem Begrapschen von Frauen geprahlt hatte. Doch nun erklärte Trump, die Vorwürfe gegen Weinstein würden ihn nicht überraschen – bei ihm habe es sich dagegen nur um Macho-Gerede gehandelt (http://people.com/politics/donald-trump-not-surprised-harvey-weinstein-sexual-harassment-accusations/).  Trumps Verbündete auf der Rechten nahmen Weinsteins Fehltritte dagegen als Beweis für die Korruptheit des linksliberalen Establishments. Viele Demokraten haben Parteispenden Weinsteins dankbar angenommen und denken nun über deren Rückgabe nach. Rechtsextreme Judenhasser zelebrieren die Affäre derweil als Beweis für den angeblich zerstörerischen Einfluss von Juden auf Moral und Werte in America (http://forward.com/news/384669/anti-semitic-alt-right-pounces-on-harvey-weinstein-scandal-to-bolster-consp/?attribution=home-article-listing-1-headline).  Mit weiteren Enthüllungen ist zu rechnen. AM

 

 

 

 

 






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