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USA

Zitterpartie in Georgia

19. April 2017
Bei der ersten Runde von Nachwahlen in dem 6. Wahlbezirk von Georgia ist der Ausgang bei Redaktionsschluss noch offen. Der junge Demokrat Jon Ossoff liegt knapp über der für ein Kongress-Mandat notwendigen Mehrheit von 50 Prozent. Ob er diesen Vorsprung halten kann, dürfte erst am Morgen in den USA feststehen.
Auf Kurs: Jon Ossoff in der Wahlnacht [Keystone]

Ob Jon Ossoff den Republikanern und Donald Trump in Georgia eine dramatische Schlappe zufügen kann, war bei Redaktionsschluss kurz vor Mitternacht in den USA noch offen. Der 30-jährige Demokrat lag bei der ersten Runde der Nachwahlen für den 6. Kongress-Bezirk in dem konservativen Südstaat zwar deutlich vor einem zersplitterten Feld von elf Republikanern. Aber er rangierte nur knapp über 50 Prozent und muss sich nach Einschätzung etwa des New York Times-Demoskopen Nate Cohn Mitte Juni einer zweiten Runde stellen. Dabei würde die in Georgia gut bekannte Konservative Karen Handler seine Gegnerin sein. Sie hat über 18 Prozent der Stimmen errungen.

Die Republikaner und Trump sind damit knapp einem Schock entronnen. Die Demokraten müssen nun den Enthusiasmus ihrer Anhänger für die zweite Runde Mitte Juni am Leben halten, während die Republikaner sich hinter Handler sammeln werden. Allerdings hat sie sich im Wahlkampf nicht als Trump-Anhängerin positioniert. Der Präsident hatte einen Anruf an Wähler in dem Distrikt nordwestlich von Atlanta aufgenommen und Ossoff auch via Twitter als gefährlichen Liberalen attackiert, sowie Konservative zum Urnengang aufgefordert.

Der Wahlkreis war seit den 1970er Jahren fest in republikanischer Hand. Zuletzt hatte der Abgeordnete Tom Price dort im November mit 62 Prozent gewonnen. Der Arzt wurde anschliessend Gesundheitsminister von Trump, was die Nachwahl notwendig gemacht hat. Trump hat den Bezirk jedoch nur knapp gewonnen, mit einem Vorsprung von zwei Prozent auf Clinton. Im Vergleich dazu ist das Ergebnis von Ossoff also keineswegs ein Erdrutsch-Sieg oder Signal für den Kollaps der Republikaner bei den nächsten Kongresswahlen im November 2018.

Allerdings hat Ossoff auch in Bezirken gepunktet, in denen Trump im November mit einem Abstand von bis zu 20 Punkten klar gewonnen hat. Dort erreichte der Demokrat nun bis zu 60 Prozent Stimmen. In demokratischen Hochburgen mit starken afroamerikanischen Bevölkerungen konnte Ossoff seinen Anteil teilweise bis auf 80 Prozent gegenüber etwa 70 Prozent für Clinton steigern. Das gute Abschneiden Ossoffs geht neben der starken Motivierung bei den Demokraten auf die Enttäuschung besser gestellter Weisser zurück, die Trump den Rücken gekehrt haben.

Dieser Trend scheint landesweit zu laufen. Das Gallup-Institut publizierte eine Umfrage über die Glaubwürdigkeit des Präsidenten. Demnach glauben gegenüber dem Februar nur noch 45 Prozent der Wähler, dass er seine Wahlversprechen hält. Vor zehn Wochen gingen davon noch 62 Prozent der Bürger aus. Bei Unabhängigen brachen diese Werte von 59 auf 43 Prozent ein, bei Republikanern dagegen immerhin von 92 auf 81 Prozent.

Bemerkenswert ist zudem eine detaillierte Umfrage des renommierten Pew Institutes ebenfalls vom Dienstag. Dort liegt Trumps Beliebtheit bei 39 Prozent, 54 Prozent der Befragten geben ihm schlechte Noten. Hier ist spannend, dass er auch bei wohlhabenden und gebildeten Weissen deutlich an Zuspruch verloren hat.

Bei Frauen mit Universitätsabschluss liegt seine Beliebtheit nun bei 36 Prozent. Starken Rückhalt geniesst Trump weiterhin nur bei älteren Weissen, vor allem aber Evangelikalen mit 78 Prozent. Diese wissen offenkundig die harte Linie Trumps bei der Beschränkung des Rechtes auf Abtreibung und sexueller Gleichberechtigung zu schätzen – ein Beispiel für das häufig unterbewertete, politische Geschick der Trump-Regierung. (AM)


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